• Fachkräfte gesucht: Die Physiotherapie gilt schon heute als Engpassberuf

    Schon seit einigen Jahren bleiben in der Physiotherapie immer mehr Ausbildungsstellen unbesetzt. Laut Experten auf dem Gebiet ist in absehbarer Zukunft keine Verbesserung zu erwarten. Nach Hochrechnungen des ZVK (Deutscher Verband für Physiotherapie) sind es aktuell rund 25 % an Stellen für Physiotherapeuten/-innen, die nicht besetzt werden können. Der Negativtrend lässt sich dabei in ganz Deutschland beobachten, es scheint sich also nicht um ein regionales Phänomen zu handeln.

    So kann man als Physiotherapeut/in arbeiten


    Wer Physiotherapeut/in werden möchte, kann entweder über sechs Semester (drei Jahre) an einer Fachhochschule studieren oder auch ohne Fachabitur an einer Ausbildung teilnehmen. Wichtiger als herausragende Schulnoten sind im Job als Physiotherapeut/in die Freude am Umgang mit Menschen und ein gesteigertes Einfühlungsvermögen. Die Ausbildung zum/-r Physiotherapeut/in kann daher sowohl mit mittlerer Reife als auch einem Hauptschulabschluss absolviert werden. Bei Letzterem ist es jedoch notwendig, bereits zwei Jahre Erfahrungen im Berufsleben gesammelt zu haben. Wer nach der Ausbildung nicht von der Physiotherapiepraxis übernommen wird, findet hier bundesweite Stellenangebote für Physiotherapeuten. Im Durchschnitt dürfen Physiotherapeuten/-innen mit einem durchschnittlichen Verdienst von 2.560 Euro im Monat rechnen.



    In einigen Bundesländern wie Berlin, Hamburg oder im südlichen Baden-Württemberg sowie in vielen bayerischen Gemeinden werden rund 100 Euro (brutto) pro Monat mehr gezahlt. Ein Umzug lohnt sich also nicht, nur um als Physiotherapeut/in auf bessere Gehaltsaussichten hoffen zu dürfen.

    Was macht ein/e Physiotherapeut/in im Berufsalltag?


    Zu den Patienten/-innen von Physiotherapeuten/-innen zählen beispielsweise Menschen nach einem Unfall, die ihre gewohnten Fähigkeiten und grundlegenden Bewegungsabläufe wieder erlernen wollen.

    Gerade im Alter kann es zu vielerlei Beschwerden kommen, die eine regelmäßige physiotherapeutische Behandlung nötig werden lassen. Bei einer Körperbehinderung kann es ebenfalls wichtig sein, regelmäßige physiotherapeutische Behandlungen in Anspruch zu nehmen. Außerdem gibt es vielfältige körperliche Krankheiten des Bewegungsapparats, die sich durch präventive Methoden vorbeugen lassen, sodass der Ausbruch einer schwerwiegenden körperlichen Erkrankung hinausgezögert werden kann.

    In der physiotherapeutischen Behandlung wird grundsätzlich zwischen aktiven und passiven Behandlungsansätzen unterschieden. Es kann also durch (passive) Massagen, Moorpackungen oder zum Beispiel eine Muskelreizung durch Stromzufuhr therapiert werden als auch durch (aktive) stimulierende Maßnahmen, bei denen der/die Patient/in allmählich lernt, übliche Bewegungsabläufe selbsttätig durchführen zu können.

    Was den Beruf eines/-r Physiotherapeuten/in attraktiv macht


    Wer sich nach der Schule dafür entscheidet, Physiotherapeut/in zu werden, kann Menschen mit beeinträchtigter Bewegungsfähigkeit helfen, ohne dafür die herausragenden Noten für ein Medizinstudium vorweisen zu müssen.

    Physiotherapie lässt sich an einigen deutschen Hochschulen wie der Hochschule Fresenius in Frankfurt/Main auch im dualen Studiengang studieren. Stipendien können dabei helfen.

    Für ein Studium im Bereich Physiotherapie wird lediglich ein Numerus Clausus (NC) von maximal 2,3 benötigt, während Humanmediziner/innen hingegen in allen Schulfächern brillieren müssen und an allen deutschen Hochschulen einen NC von 1,0 benötigen. Bei einer Verpflichtung, später zumindest für einige Jahre in ländlichen Regionen zu behandeln, kann aktuell auch mit einem leicht schlechteren NC Medizin studiert werden.

    Im Vergleich zum Hausarzt braucht ein/e Physiotherapeut/in keine Angst zu haben vor ansteckenden Krankheiten. Die Patienten sind in der Regel nur in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Ein gewisses Maß an Verständnis für die individuelle Lage der Patienten/-innen und ein natürliches Mitgefühl für die Einschränkungen in deren Alltag zeichnen gute Physiotherapeuten/-innen besonders aus.

    Sind Physiotherapeuten/innen Ärzte/-innen?


    Der Job als Physiotherapeut/in beseht aber aus mehr als nur Krankengymnastik. Sie arbeiten wie Mediziner/innen in einer eigenen Praxis und können auch Verordnungen für eventuell benötigte Medikamente ausstellen. Der Definition nach sind Physiotherapeuten/-innen aber keine Ärzte/-innen, da sie kein verpflichtendes Medizinstudium absolvieren müssen und bereits nach einer vergleichsweise kurzen Ausbildungs-/Studienzeit von gerade einmal drei Jahren in den Beruf starten können.

    In der Regel erfolgt die Diagnostik durch eine/n Mediziner/in, der/die dann einen Überweisungsschein für die Physiotherapie ausstellt. Der Begriff „Therapeut/in“ steckt bereits in der Berufsbezeichnung, anders als bei Medizinern/-innen sind in der Physiotherapie auch Gruppenbehandlungen möglich wie beispielsweise Aquarobic oder bestimmte Körperübungen an speziellen Geräten. Bei den Verordnungen eines/-r Physiotherapeuten/-in handelt es sich ausschließlich um sogenannte Heilmittel, die zur Verbesserung des ärztlich diagnostizierten Körperschadens eingesetzt werden können. Ein/e Physiotherapeut/in kann also kein Erkältungsmittel oder andere allgemeine Arzneimittel verschreiben.