• Pilates in der Rehabilitaton?

    Wenn man schon 25 Jahre in der Krankengymnastik/Physiotherapie arbeitet hat man in der Regel schon viele Fortbildungen besucht, viele neue Techniken erlernt und vielleicht auch so Manches wieder über Bord geworfen. Mit der Zeit der Arbeitsjahre stellte ich für mich fest, dass es doch schön wäre, wenn der Patient langanhaltend von unserer Therapie profitieren könnte.


    Der physiotherapeutische Trend geht, meiner Meinung nach, in eine andere Richtung.

    Der Patient legt sich auf die Bank und der Therapeut soll dafür sorgen (wie auch immer) das es dem Patienten besser geht.Außerdem wurde es für mich immer offensichtlicher, dass das Bewegungsverhalten der Bevölkerung ( nicht nur der Patienten) immer schlechter wird.


    Vor mehreren Jahren begann ich eine Ausbildung zum Pilates-Trainer.

    Ursprünglich nicht einmal um die Pilates Methode beruflich zu nutzen, sondern um mir selbst etwas Gutes zu tun. Dann stellte ich aber fest wie gut man es auch für die Patienten anwenden kann. Mittlerweile habe ich in Koblenz (und das auch schon seit einigen Jahren) eine physiotherapeutische Praxis mit angegliedertem Pilates-Studio, oder umgekehrt.....nicht trennbar. Und sehr erfolgreich, inzwischen mit mehreren Mitarbeitern im Team!

    Nach der Befundaufnahme

    können unsere ausgebildeten Pilates-Reha-Therapeuten einen Therapieplan für den Patienten erstellen. Oft kommen die Patienten mit einem akuten Schmerzzustand zu uns, dieser Schmerzbereich reagiert meist auf Bewegungsreize mit weiteren Schmerzen. Dies ist eine große Chance für Pilates in der Therapie : der Therapeut erarbeitet mit dem Patient Übungen, die die gesamte Körperorganisation verbessern, die Bewegung in den benachbarten Gelenken verbessern und durch die Veränderung der Atmung die Zirkulation beeinflussen.

    Pilates funktioniert "ganzheitlich"

    - es wird immer der ganze Mensch gesehen und auch behandelt.
    Zu Beginn einer Behandlung teilen wir den Patienzen gar nicht explizit mit, wenn wir die manualtherapeutischen Griffe mit den Bewegungen auf den Pilatesgeräten ( Reformer, Trapeze /Cadillac, Chair, Barrel) kombinieren, damit die erreichte Bewglichkeit über den Muskelzug geführt werden kann.

    Ein akuter Schmerzpatient

    ist so sehr in seinem Bewegungsverhalten gestört, dass er sich meist gar nicht mehr traut, sich zu bewegen. Wir helfen Schritt für Schritt und einfühlsam, Die Übungen orientieren sich an den Fähigkeiten der Patienten.

    Dies finde ich sehr wichtig für unsere Patienten, da sie sonst überall nur erfahren, was sie nicht können oder wie die Schmerzen ihren Aktions- / Bewegungsradius einschränken. Stattdessen ist es doch besser "den Patienten bei der Hand zu nehmen" und ihm von Mal zu Mal zu zeigen wie es besser geht.

    Die Pilates-Geräte bieten dem Patienten die Unterstützung, die er zu diesem Zeitpunkt benötigt.

    Er fühlt sich sicher und geführt. Der Patient erfährt ein positives, schmerzfreies Bewegungserlebnis. Passend dazu erarbeitet der Therapeut mit ihm leicht nachzuvollziehende Übungen für zu Hause, um den Therapieerfolg zu sichern.
    Je nach Befund wird der Therapieplan angepasst und verändert, so dass immer mehr Fähigkeiten für den Patient dazu kommen.

    Pilates als therapeutische Maßnahme und später als Training stellt eine Bereicherung für den physiotherapeutischen Arbeitsalltag dar

    und hat für mich den Umgang mit meinen Patienten grundlegend verändert : Weg von überwiegend passiven, manuellen Techniken, hin zu mehr Körperwahrnehmung, Eigenverantwortung und der Bereitschaft der Patienten, ihr Bewegungsverhalten zu verändern.

    Karin Klinke
    Krankengymnastikpraxis und
    Pilates-Studio
    Kurfürst-Schönborn-Straße 102
    56070 Koblenz


    Das Pilates-Buch
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