OP -10 Tage: Bin bei meinem Orthopäden; habe Glück denn er ist eine Koryphäe auf dem Gebiet Knie. Ich bin irgendwie noch in seiner Patientenakte, weil ich vor 10 Jahren schon mal da war (Bänderriss) -jetzt nimmt er eigentlich nur noch Privatpatienten -die Praxis sieht aber aus wie damals. Jetzt muß ich nur diesen dicken nordafrikanischen General (mit Leibwächter) und den Fußballer -offensichtlich Privatpatienten- an mir vorbei lassen und schon komme ich dran. Hier herrscht fast Termintreue.
Zwischenzeitlich habe ich mal in diversen Bewertungsportalen nachgegoogelt; demnach ist mein zukünftiger Operateur fachlich Note 1; menschlich eher schwächer. Aber egal und vielleicht wurde das Menschliche zugunsten von Effizienz einfach ein wenig nach hinten verlagert.
Überraschender Weise verstehen wir uns aber auf Anhieb. Er erzählt von seinem Sohn, den er gerade letzte Woche operiert hat, gemeinsam schauen wir auf die MRTs. Er meckert, weil ich nicht schon früher gekommen bin; mein Hausarzt hätte schließlich Recht gehabt. Gut, ich dachte halt es geht noch...
...und außerdem habe ich Schiss, weil a) ich noch nie ne OP oder Vollnarkose gehabt habe und b) einer meiner besten Freunden bei so einer beschissenen Athroskopie einen Multiresistenten Keim eingefangen hatte. Als Resultat war fast sein ganzes Leben weg, am Ende aber nur das Knie (jetzt Prothese).
Er sagt mir, dass er in seinem OP noch nie so einen Fall gehabt hätte, diesen Pfusch machen immer nur die Krankenhäuser oder Kliniken. Deshalb sei ambulant auch besser. Er gibt mir einen Termin für seinen Anästhesisten, der zwei Türen weiter sein Sprechzimmer hat und versichert, dass die OP absoluter Standard ist, den er schließlich schon 30.000! mal durchgeführt hat.
Plötzlich springt er raus zum nächsten Termin - als doch Zeitmanagement, denke ich, während in meinem Hinterkopf ein Rechenmodell aus Lebensalter, Anzahl OPs pro Tag und Berufseintritt hilflos Fragezeichen produziert. 30.000!
Der Anästhesist hat heute seinen schlechten Tag, gerade bekomme ich mit, wie er den Techniker runter macht, da eines seiner Überwachungssysteme nicht richtig arbeitet. Im Nachgang entschuldigt er sich bei mir, - so muss man hält mit Handwerkern reden- fährt aber im gleichen Jargon weiter mit mir fort. Offensichtlich hält er mich auch für einen Handwerker.
Am Ende des Tages habe ich einen ambulanten OP- Termin, ein gutes Gefühl über den Operateur und ein schlechtes wg. des Anästhesisten.
Abends klingelt bei mir Zuhause das Telefon, es ist der Anästhesist, ich habe meinen Überweisungsschein für den Hausarzt (Voruntersuchung, EKG, Blut, Gewicht etc.) vergessen, er würde ihn mir nachschicken. Vielleicht doch nicht so übel der Mann.