SPINEFITTER Junior - Bewegungsmangel bei Kindern: Was tun gegen Haltungsprobleme und Muskelschwächen?

SPINEFITTER Junior - Bewegungsmangel bei Kindern: Was tun gegen Haltungsprobleme und Muskelschwächen?

„Sitz gerade!“ – vermutlich gehört dieser Satz zu den Klassikern der Eltern-Kind-Kommunikation. Das Kind richtet sich daraufhin für ungefähr zwölf Sekunden kerzengerade auf, bevor der Rücken langsam wieder Richtung Fragezeichen wandert. Problem gelöst? Eher nicht.

Vielleicht stellen wir überhaupt die falsche Frage. Statt ständig zu überlegen, wie Kinder richtig sitzen sollen, könnten wir uns häufiger fragen, warum sie eigentlich so viel sitzen. Schule, Hausaufgaben, Smartphone, Tablet, Gaming und Fernsehen bringen heute erstaunlich viele Stunden zusammen, in denen sich der Körper vor allem durch eines auszeichnet: Er bleibt ziemlich ruhig.

Dabei wollen Kinder von Natur aus normalerweise etwas ganz anderes. Klettern, rennen, hüpfen, balancieren, sich drehen, ausprobieren, herunterfallen, wieder aufstehen – und am liebsten noch einmal von vorne. Genau darin steckt ein großer Teil gesunder körperlicher Entwicklung. Bewegung trainiert nicht nur Muskeln. Kinder lernen dabei ihren eigenen Körper kennen: Wie weit kann ich mich lehnen, ohne umzufallen? Kann ich auf einem Bein stehen? Schaffe ich es über die Mauer? Wie lande ich nach einem Sprung? Und warum funktioniert dieselbe Bewegung plötzlich nicht mehr, wenn ich die Augen schließe?

Bewegung ist für Kinder deshalb nicht einfach Fitness in klein. Sie ist Entdeckungsreise.

Kinder brauchen Bewegung – aber bitte nicht als Hausaufgabe

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Kindern und Jugendlichen zwischen 5 und 17 Jahren durchschnittlich mindestens 60 Minuten moderate bis intensive körperliche Aktivität pro Tag. An mindestens drei Tagen pro Woche sollten auch intensivere Aktivitäten dabei sein, die Muskeln und Knochen kräftigen. Das klingt zunächst nach einem Trainingsplan. Genau so sollte man es Kindern aber besser nicht verkaufen.

Kaum ein Achtjähriger springt begeistert vom Sofa, weil jetzt noch 17 Minuten moderate körperliche Aktivität fehlen. „Komm, wir schauen mal, wer zuerst bis zum Baum kommt“ funktioniert vermutlich besser. Kinder bewegen sich besonders gerne, wenn Bewegung einen Zweck bekommt, Teil eines Spiels ist oder eine kleine Herausforderung enthält.

Das kann Fußball sein, Fahrradfahren, Fangen, Trampolinspringen oder Klettern. Es kann aber auch die Aufgabe sein, zehn Sekunden auf einem Bein zu stehen, rückwärts über eine Linie zu balancieren oder einen kleinen Parcours zu bewältigen, ohne den Boden zu berühren. Plötzlich wird aus Training ein Spiel – und genau das kann für die Motivation entscheidend sein.

Wenn aus wenig Bewegung irgendwann wenig Körpergefühl wird

Wer seinen Körper in sehr unterschiedlichen Situationen benutzt, bekommt ständig Rückmeldungen. Beim Balancieren müssen Muskeln fein reagieren, beim Springen muss eine Landung abgefangen werden und beim Klettern arbeiten Hände, Füße, Augen und Gleichgewicht zusammen. Viele dieser Fähigkeiten entstehen nicht dadurch, dass jemand sie theoretisch erklärt. Sie entwickeln sich beim Tun.

Fehlen solche Bewegungserfahrungen, können unter anderem Rumpfkraft, Koordination und Körperwahrnehmung zu kurz kommen. Das bedeutet nicht, dass jedes Kind, das gerne am Tablet sitzt, automatisch Haltungsschäden bekommt. Und auch eine lässige Sitzhaltung ist noch keine Diagnose. Problematisch wird es eher, wenn über längere Zeit Bewegung, Kraft und abwechslungsreiche körperliche Reize fehlen.

Genau hier spielt Physiotherapie bei Kindern eine andere Rolle als bei vielen Erwachsenen. Es geht nicht immer nur darum, Schmerzen zu behandeln. Bei motorischen Auffälligkeiten, mangelnder Stabilität oder Problemen mit Koordination und Körperwahrnehmung kann Therapie auch bedeuten, Bewegungen überhaupt wieder erfahrbar zu machen.

Und was hat eine Reihe grüner Kugeln damit zu tun?

Trainingsgeräte für Kinder haben ein kleines Problem: Sobald sie nach Therapie aussehen, kann die Begeisterung bereits vorbei sein. Spannender wird es, wenn ein Gerät Neugier weckt. Wackelt das? Kann ich darauf stehen? Kann ich darauf knien? Und schaffe ich das auch mit geschlossenen Augen?

Ein interessantes Beispiel dafür ist der SPINEFITTER Junior. Wer den normalen SPINEFITTER aus Physiotherapie oder Pilates kennt, erkennt das Prinzip sofort: Zwei Reihen miteinander verbundener Kugeln bilden eine schmale Trainingsfläche. Die Junior-Version wurde jedoch speziell für Kinder und Jugendliche entwickelt und ist nicht einfach nur ein geschrumpftes Erwachsenenmodell.

Der Hersteller empfiehlt den SPINEFITTER Junior ab einem Alter von vier Jahren. Statt der 14 Kugelpaare des klassischen Modells besitzt er 16 Kugelpaare. Hintergrund sind die anderen Körperproportionen von Kindern und Jugendlichen sowie ihr Wachstum. Hinzu kommen weicheres, kindgerechtes Material und mehr Grip. Nach Herstellerangaben ist das Gerät unter anderem für Übungen zur Rumpf- und Stützmuskulatur, Körperwahrnehmung, motorischen Kontrolle, Koordination und zum Gleichgewicht gedacht.

Und genau hier wird es für Kinder interessant: Man kann darauf liegen – aber man muss nicht einfach nur darauf liegen. Je nach Übung wird gekniet, gestützt, balanciert oder versucht, eine Position zu halten. Schon kleine Veränderungen können aus einer einfachen Bewegung eine Herausforderung machen.


„Schaffst du das?“ ist manchmal die beste Trainingsanweisung

Bei Erwachsenen erklären wir gerne, welcher Muskel gerade aktiviert werden soll. Bei Kindern kann man sich einen Teil dieser Vorträge sparen. „Kannst du darauf stehen, ohne herunterzutreten?“ erzeugt häufig genau die Bewegungsreaktion, für die Erwachsene erst eine anatomische Erklärung bekommen.


Daraus lassen sich kleine Spiele entwickeln. Wer kann länger auf einem Bein stehen? Wer schafft eine Bewegung besonders langsam? Funktioniert sie auch mit einem Ball in der Hand? Was passiert, wenn die Arme nach oben gehen? Kann man eine Position halten und dabei bis zehn zählen?

Solche Aufgaben haben einen entscheidenden Vorteil: Erfolg ist unmittelbar spürbar. Gestern waren es fünf Sekunden, heute sind es acht. Eine Bewegung, bei der das Kind zunächst ständig das Gleichgewicht verlor, klappt plötzlich. Genau solche kleinen Erfolgserlebnisse können Motivation erzeugen. Das Kind erlebt seinen Körper nicht als etwas, das ständig korrigiert werden muss, sondern als etwas, mit dem es etwas schaffen kann.

Ein Trainingsgerät ersetzt keinen Spielplatz

Bei aller Begeisterung für neue Hilfsmittel sollte allerdings eines klar bleiben: Kein Trainingsgerät kann normale Bewegung ersetzen. Ein SPINEFITTER Junior ersetzt weder Fahrrad noch Fußball, Schwimmbad, Wald, Spielplatz oder das Rennen mit Freunden.

Und das muss er auch nicht. Sein sinnvoller Platz liegt vielmehr dort, wo gezielte Bewegungsreize gebraucht werden – beispielsweise in der Physiotherapie, im angeleiteten Training oder als Ergänzung zu anderen Bewegungsangeboten. Gerade weil Übungen variiert und spielerisch gestaltet werden können, lässt sich ein therapeutisches Ziel mit einer kleinen Herausforderung verbinden.

Dabei sollten die Grenzen ebenfalls klar benannt werden. Die beschriebenen Einsatzbereiche des SPINEFITTER Junior stammen bislang überwiegend aus Herstellerangaben und der therapeutischen Praxis. Unabhängige klinische Studien speziell zur Junior-Version, aus denen sich eine gesicherte therapeutische Wirksamkeit bei einzelnen Erkrankungen ableiten ließe, sind derzeit nicht in vergleichbarem Umfang verfügbar. Das Gerät sollte deshalb nicht als Wundermittel gegen Bewegungsmangel oder Haltungsschwächen verstanden werden.

Bei Kindern mit Schmerzen, ausgeprägten Haltungsauffälligkeiten oder motorischen Problemen gehört zudem zunächst geklärt, was dahintersteckt. Und Übungen auf instabilen oder ungewohnten Unterlagen sollten insbesondere bei jüngeren Kindern beaufsichtigt werden.

Physiotherapie darf bei Kindern ruhig nach Spielen aussehen

Vielleicht ist das überhaupt einer der wichtigsten Punkte. Erwachsene kommen häufig in eine Physiotherapiepraxis und wollen wissen, welche Übung sie machen sollen. Kinder wollen zunächst wissen, ob etwas Spaß macht.

Das ist kein Hindernis für Therapie, sondern kann ein Teil davon sein. Ein kleiner Parcours, ein Ball, eine Balanceaufgabe oder ein ungewöhnliches Trainingsgerät können Bewegungen auslösen, ohne dass sich jede Minute wie Behandlung anfühlt. Gute Kinderphysiotherapie muss deshalb nicht danach aussehen, als würde eine verkleinerte Erwachsenenbehandlung stattfinden.

Aus „Du musst deine Rumpfmuskulatur stärken“ kann „Schaffst du es, hier oben zu bleiben?“ werden. Aus Gleichgewichtstraining wird eine Challenge. Und aus fünf Wiederholungen werden vielleicht freiwillig zehn, weil beim neunten Versuch beinahe ein neuer Rekord entstanden wäre.

Der beste Trainingsplan beginnt manchmal vor der Haustür

Eltern müssen deshalb auch nicht sofort das Kinderzimmer zum Fitnessstudio umbauen. Häufig beginnt mehr Bewegung wesentlich einfacher. Zu Fuß zur Schule, wenn der Weg es zulässt. Nachmittags noch einmal raus. Fahrrad statt Rücksitz. Treppe statt Aufzug. Am Wochenende nicht nur gemeinsam einen Film ansehen, sondern vielleicht vorher eine Runde in den Wald.

Vor allem sollten Erwachsene Bewegung nicht ständig als lästige Pflicht präsentieren. Wer seinem Kind sagt, es müsse jetzt eine Stunde Sport machen, weil langes Sitzen ungesund sei, hat aus etwas eigentlich Schönem ziemlich schnell eine weitere Hausaufgabe gemacht.

Bewegung darf laut sein. Sie darf chaotisch sein. Kinder dürfen dabei schwitzen, wackeln, verlieren, gewinnen und auch einmal auf dem Hintern landen. Sie dürfen ausprobieren, was ihr Körper kann. Genau dadurch entstehen Erfahrungen, die kein Bildschirm vermitteln kann.

Und vielleicht müssen wir deshalb auch nicht ständig „Sitz gerade!“ rufen. Manchmal wäre „Komm, wir gehen raus“ die deutlich bessere Idee.

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