Erste Hilfe bei Bewusstlosigkeit – eine Auffrischung und Anregung

Erste Hilfe bei Bewusstlosigkeit – eine Auffrischung und Anregung

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Wer kennt das nicht? Der Führerschein ist geschafft, die Pflichtstunden in Erster Hilfe absolviert, das Zertifikat liegt irgendwo in einer Schublade – und Monate oder Jahre später beginnt das Zögern, sobald man sich fragt, was im Ernstfall tatsächlich zu tun wäre. Gleichzeitig verändern sich medizinische Leitlinien regelmäßig, Abläufe werden vereinfacht oder angepasst, und längst nicht jedes Detail aus früheren Kursen ist noch aktuell. Gerade bei Bewusstlosigkeit entscheidet jedoch strukturiertes, ruhiges Handeln über Leben und Tod. Dieser Text soll kein Ersatz für eine praktische Schulung sein, sondern eine fundierte, aktuelle Auffrischung vermitteln und die Hemmschwelle senken, im Notfall einzugreifen.

Grundprinzipien der Ersten Hilfe bei Bewusstlosigkeit

Unabhängig von Ursache, Ort oder Situation gelten bei jedem Notfall einige unverrückbare Grundregeln. An erster Stelle steht das Bewahren der eigenen Sicherheit. Helfer, die sich selbst in Gefahr bringen, können keine wirksame Hilfe leisten. Danach folgt das bewusste Innehalten: ein tiefer Atemzug, ein kurzer Überblick über die Situation, das aktive Treffen von Entscheidungen. Erstes Handeln ohne Struktur führt häufig zu Fehlern oder Verzögerungen. Ebenso zentral ist das frühzeitige Aktivieren professioneller Hilfe. Der Notruf 112 sollte so früh wie möglich erfolgen, idealerweise parallel zu den ersten Maßnahmen, und weitere Anwesende sollten gezielt angesprochen und eingebunden werden.

Bewusstlosigkeit erkennen und richtig einschätzen

Bewusstlosigkeit liegt vor, wenn eine Person nicht auf Ansprache oder sanftes Rütteln an den Schultern reagiert. Dabei ist es unerheblich, ob die Ursache eine kurze Ohnmacht, ein Krampfanfall, eine Vergiftung oder ein Herz-Kreislauf-Stillstand ist. Entscheidend ist die systematische Überprüfung lebenswichtiger Funktionen. Nach dem Wecken erfolgt unmittelbar die Kontrolle der Atmung. Der Helfer beugt sich mit seinem Ohr über Mund und Nase des Betroffenen, blickt auf den Brustkorb und prüft über maximal zehn Sekunden, ob regelmäßige Atembewegungen vorhanden sind. Dieses Sehen-Hören-Fühlen ist für Laien ausreichend und empfohlen. Eine Pulskontrolle wird ungeübten Helfern ausdrücklich nicht angeraten, da sie Zeit kostet und häufig fehlerhaft durchgeführt wird.

Bewusstlos mit normaler Atmung

Ist die Person bewusstlos, atmet aber normal, besteht die größte Gefahr in einer Verlegung der Atemwege. Zunge, Blut oder Erbrochenes können die Atmung blockieren. In dieser Situation ist die stabile Seitenlage die Maßnahme der Wahl. Sie dient ausschließlich dem Offenhalten der Atemwege und dem Abfluss von Flüssigkeiten. Die Technik folgt klaren Schritten: Der Betroffene wird auf die Seite gedreht, der Kopf leicht überstreckt, der Mund geöffnet. Wichtig ist, dass die Atmung regelmäßig kontrolliert wird, da sich der Zustand jederzeit verschlechtern kann. Bewusstlose Personen dürfen weder allein gelassen noch in Rückenlage belassen werden, solange keine kontinuierliche Überwachung möglich ist.

Bewusstlos ohne normale Atmung

Fehlt die normale Atmung vollständig oder zeigt sich nur eine unregelmäßige Schnappatmung, muss von einem Kreislaufstillstand ausgegangen werden. In diesem Moment zählt jede Sekunde. Ohne Verzögerung wird mit der Wiederbelebung begonnen. Moderne Leitlinien betonen dabei ausdrücklich, dass Nichtstun die schlechteste aller Optionen ist. Selbst unperfekt ausgeführte Maßnahmen erhöhen die Überlebenschance signifikant. Die Kombination aus frühzeitiger Herzdruckmassage, schneller Alarmierung des Rettungsdienstes und – falls verfügbar – Einsatz eines automatisierten externen Defibrillators stellt die effektivste Rettungskette dar.

Automatisierter externer Defibrillator (AED)

AEDs sind heute so konzipiert, dass sie auch von medizinischen Laien sicher angewendet werden können. Nach dem Einschalten gibt das Gerät klare Sprachanweisungen, analysiert selbstständig den Herzrhythmus und entscheidet, ob ein Schock notwendig ist. Der Helfer kann dabei nichts „falsch machen“, solange er den Anweisungen folgt. Wichtig ist, dass während der Analyse und Schockabgabe niemand den Betroffenen berührt. Ist ein AED verfügbar, sollte er parallel zur Herzdruckmassage eingesetzt werden, ohne diese unnötig zu unterbrechen.

Herzdruckmassage: Kernmaßnahme der Wiederbelebung

Die Herzdruckmassage ist das zentrale Element der Reanimation. Ziel ist es, durch rhythmisches Zusammendrücken des Brustkorbs einen minimalen Blutfluss zu Gehirn und lebenswichtigen Organen aufrechtzuerhalten. Der Betroffene wird auf einer harten Unterlage gelagert, der Helfer positioniert den Handballen mittig auf dem unteren Drittel des Brustbeins, die zweite Hand darüber. Mit gestreckten Armen und dem eigenen Körpergewicht wird der Brustkorb fünf bis sechs Zentimeter tief gedrückt und vollständig entlastet. Die Frequenz liegt bei 100 bis 120 Kompressionen pro Minute. Unterbrechungen sollten auf ein absolutes Minimum reduziert werden.

Beatmung: sinnvoll, aber nicht zwingend

Die Kombination aus 30 Herzdruckmassagen und zwei Beatmungen gilt weiterhin als Standard. Gleichzeitig betonen aktuelle Leitlinien, dass ungeübte Helfer sich auf die Herzdruckmassage beschränken dürfen, wenn sie sich mit der Beatmung unsicher fühlen oder hygienische Bedenken bestehen. Entscheidend ist die kontinuierliche Durchblutung. Beatmung erfolgt nur dann, wenn sie zügig und korrekt durchgeführt werden kann. Der Kopf wird überstreckt, die Nase verschlossen, und die Luft über etwa eine Sekunde eingeblasen, bis sich der Brustkorb sichtbar hebt.

Wann Wiederbelebung beenden?

Die Wiederbelebung wird fortgesetzt, bis professionelle Hilfe übernimmt, der Betroffene wieder normal atmet oder der Helfer physisch nicht mehr in der Lage ist weiterzumachen. Rechtlich ist der Helfer geschützt, solange er nach bestem Wissen und Gewissen handelt. Das Abbrechen ohne triftigen Grund ist dagegen problematisch. Auch nach Rückkehr der Atmung bleibt der Betroffene bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes unter Beobachtung.

Umgang mit wachen, aber desorientierten Betroffenen

Kommt der Betroffene wieder zu Bewusstsein, ist Ruhe entscheidend. Desorientierung, Angst oder emotionale Reaktionen sind häufig. Eine ruhige Stimme, einfache Sätze und das klare Signal, dass Hilfe unterwegs ist, wirken stabilisierend. Körperkontakt sollte unterstützend, nicht einschränkend erfolgen. Nahrung, Getränke oder Medikamente dürfen nicht verabreicht werden.

Warum regelmäßige Auffrischung entscheidend ist

Erste Hilfe ist keine theoretische Wissensdisziplin, sondern eine Handlungskompetenz. Ohne regelmäßige Auffrischung sinkt die Sicherheit rapide. Praktische Übungen, realistische Szenarien und aktuelle Leitlinien vermitteln nicht nur Technik, sondern auch Handlungssicherheit. Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter oder andere anerkannte Anbieter leisten hier einen unverzichtbaren Beitrag.

Meine Ausführungen sind nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und basieren auf aktuellen Empfehlungen internationaler Wiederbelebungsgremien. Sie ersetzen keine praktische Ausbildung. Ziel dieses Textes ist es, Wissen zu reaktivieren, Hemmungen abzubauen und Mut zum Handeln zu machen. Denn im Ernstfall ist ein entschlossener Helfer oft der entscheidende Unterschied.


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