Fußschmerzen ade: So behandeln Sie Senk- und Spreizfüße

Fußschmerzen ade: So behandeln Sie Senk- und Spreizfüße

Yan Krukau Pexels

Der Senk- und Spreizfuß zählt zu den häufigsten Fußfehlstellungen und wird im Alltag dennoch häufig unterschätzt. Viele Betroffene nehmen die Veränderungen des Fußes zunächst nur optisch wahr oder ordnen erste Beschwerden dem Alter oder einer vorübergehenden Überlastung zu. Tatsächlich kann eine unbehandelte Fehlstellung jedoch weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Bewegungsapparat haben. Schmerzen beschränken sich selten ausschließlich auf den Fuß, sondern können sich auf Knie, Hüfte und Wirbelsäule ausweiten. Aus physiotherapeutischer Sicht ist der Senk- und Spreizfuß daher nicht als lokales Problem zu betrachten, sondern als funktionelle Störung mit systemischen Folgen.

Der Fuß bildet die Basis des aufrechten Gangs. Veränderungen an dieser Basis beeinflussen die gesamte Statik des Körpers. Wird das Fußgewölbe instabil, verändert sich die Belastungsverteilung bei jedem Schritt. Muskeln, Sehnen und Gelenke müssen kompensieren, was langfristig zu Überlastung, Fehlhaltungen und chronischen Beschwerden führen kann. Eine frühzeitige Einordnung und gezielte Therapie sind deshalb entscheidend, um langfristige Schäden zu vermeiden.

Was sind Senk- und Spreizfüße?

Der menschliche Fuß ist ein komplexes System aus 26 Knochen, zahlreichen Muskeln, Sehnen und Bändern. Diese Strukturen bilden Längs- und Quergewölbe, die das Körpergewicht gleichmäßig verteilen und als Stoßdämpfer fungieren. Beim Senkfuß flacht das Längsgewölbe ab, sodass der Fuß stärker nach innen einsinkt und an Stabilität verliert. Beim Spreizfuß hingegen gibt das Quergewölbe im Vorfußbereich nach, wodurch sich die Mittelfußknochen auffächern und der Vorfuß breiter wird.

In der physiotherapeutischen Praxis treten diese Fehlstellungen häufig gemeinsam auf. Man spricht dann vom Knick-Senk-Spreizfuß. Diese Kombination führt zu einer veränderten Abrollbewegung, erhöhter Druckbelastung im Vorfuß und einer verminderten Stoßdämpfung. Die Folge sind nicht nur lokale Beschwerden, sondern funktionelle Kettenreaktionen im gesamten Bewegungsapparat.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Entstehung von Senk- und Spreizfüßen ist multifaktoriell. Eine genetisch bedingte Bindegewebsschwäche kann die Stabilität des Fußgewölbes von vornherein reduzieren. Auch Entwicklungsstörungen im Kindesalter beeinflussen die Ausbildung der Fußgewölbe nachhaltig und können Fehlstellungen begünstigen.

Neurologische Erkrankungen wirken sich auf die muskuläre Steuerung des Fußes aus und können langfristig zu strukturellen Veränderungen führen. Hinzu kommen äußere Belastungsfaktoren wie langes Stehen, Übergewicht oder ungeeignetes Schuhwerk, das dem Fuß zu wenig Halt bietet. Mit zunehmendem Alter nimmt die Muskelkraft ab, wodurch das Fußgewölbe zusätzlich an Stabilität verliert und bestehende Fehlstellungen sich verstärken können.

Typische Symptome und funktionelle Folgen

Die Beschwerden bei Senk- und Spreizfüßen sind vielfältig und entwickeln sich häufig schleichend. Viele Betroffene klagen über Schmerzen im Vorfuß- oder Fersenbereich, ein schnelles Ermüdungsgefühl beim Gehen sowie Schwellungen nach längerer Belastung. Durch die veränderte Statik treten nicht selten Schmerzen in Knie, Hüfte oder unterem Rücken auf.

Zusätzlich kommt es häufig zu Hautveränderungen an überlasteten Druckpunkten. Hornhaut, Schwielen oder Hühneraugen sind typische Begleiterscheinungen. Auch die Gangqualität verändert sich, was langfristig die Belastung anderer Gelenke weiter erhöht.

Diagnostik aus physiotherapeutischer Sicht

Die Diagnostik beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und einer klinischen Untersuchung. Dabei werden Fußstellung, Beweglichkeit, Muskelkraft und Gangbild beurteilt. Eine funktionelle Betrachtung ist entscheidend, da nicht allein die Form des Fußes, sondern sein Verhalten unter Belastung relevant ist.

Ergänzend können Fußdruckmessungen eingesetzt werden, um Belastungsspitzen sichtbar zu machen. Bildgebende Verfahren dienen der Beurteilung struktureller Veränderungen, stehen jedoch aus physiotherapeutischer Sicht nicht im Vordergrund. Entscheidend ist die funktionelle Gesamtsituation des Patienten.

Konservative Therapie in der Physiotherapie

Die konservative Therapie stellt den zentralen Behandlungsansatz dar. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, die Fußfunktion zu verbessern und eine weitere Verschlechterung zu verhindern. Orthopädische Einlagen können Fehlbelastungen reduzieren und akute Beschwerden lindern, ersetzen jedoch keine aktive Therapie.

Physiotherapie setzt gezielt auf Kräftigung der Fuß- und Unterschenkelmuskulatur, insbesondere der intrinsischen Fußmuskeln. Ergänzend werden Mobilisationstechniken eingesetzt, um eingeschränkte Beweglichkeit zu verbessern. Dehnungen verkürzter Muskelgruppen tragen dazu bei, die Belastung gleichmäßiger zu verteilen.

Ein wesentlicher Bestandteil ist zudem die Schulung des Gangbildes und der Alltagsbelastung. Patienten lernen, ihre Füße bewusster einzusetzen und Fehlbelastungen zu vermeiden. Auch die Beratung zum geeigneten Schuhwerk ist ein zentraler Bestandteil der Therapie.

Operative Therapieoptionen

Bei ausgeprägten Fehlstellungen oder anhaltenden Beschwerden trotz konsequenter konservativer Therapie kann ein operativer Eingriff erwogen werden. Ziel ist die strukturelle Korrektur des Fußgewölbes und die Wiederherstellung einer möglichst physiologischen Belastung.

Eine Operation stellt jedoch immer den letzten Schritt dar. Auch nach operativen Eingriffen ist eine physiotherapeutische Nachbehandlung unverzichtbar, um Beweglichkeit, Kraft und Koordination wiederherzustellen.

Prävention und Alltag

Prävention spielt eine entscheidende Rolle. Geeignetes Schuhwerk mit ausreichender Dämpfung und Stabilität entlastet den Fuß. Regelmäßige Bewegung und gezielte Fußübungen stärken die Muskulatur und unterstützen die Stabilität des Fußgewölbes.

Auch das Körpergewicht beeinflusst die Belastung der Füße erheblich. Eine bewusste Lebensweise und frühzeitige physiotherapeutische Betreuung können helfen, Beschwerden zu reduzieren und die Lebensqualität langfristig zu erhalten.

Wissenschaftliche Quellen

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie. Leitlinie Fußfehlstellungen im Erwachsenenalter. AWMF. | Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. Belastungsbedingte Fußbeschwerden und konservative Therapie. | Kapandji IA. Funktionelle Anatomie der Gelenke. Band Fuß und Sprunggelenk. | Neumann DA. Kinesiologie des Bewegungsapparates. Deutsche Ausgabe. | Mayer F, Horstmann T. Biomechanik und Therapie von Fußfehlstellungen. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin.

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